FeldmochingMünchens größtes Dorf

 

Beitragsseiten

 

In die Zeit der Hofmark Feldmoching-Schleißheim fallen

der Bau der Schwaige Schleißheim und der Einsiedlerkapellen (1598-1600),
der Umbau und Erweiterung der Schwaige zum Alten Schloss (1617-23 u. 1651-79),
der Bau des Schlosses Lustheim (1684-88) und
des Neuen Schlosses Schleißheim (1701-04 und 1719-26)
sowie die Schaffung des umfangreichen Kanalnetzes um Feldmoching (1690-1702).
Während auf diese Weise Schleißheim erblühte, brachen in Feldmoching schlechte Zeiten an. In der Hofmarkszeit ereigneten sich nämlich auch

der unselige 30-jährige Krieg (1618-48)
mit der schwedischen Besatzung 1632,
die große Pest 1633/34 und
Mord, Todschlag und schlimme Notzeiten
und immer wieder Einquartierungen fremder Soldaten und viele andere Drang- und Mühsale.
Nicht zu vergessen ebenso

die kaiserlich-österreichische Besatzung im Spanischen Erbfolgekrieg (1701-15) und
die neuerliche kaiserlich-österreichische Besatzung im Österreichischen Erbfolgekrieg (1740-48)
und immer wieder Epidemien, Missernten und Hungersnöte.
In jenen Zeiten wurden die Feldmochinger vollständig ruiniert. Die Entwicklung des Dorfes stagnierte.

Als 1803 das Landgericht München gebildet wurde, endete Feldmochings jahrhundertlange Zugehörigkeit zum Dachauer Gericht. Sie hat das Dorf und seine Bewohner mehr geprägt, als man heute noch vermutet: Bis in das 19. Jahrhundert hinein war die gesamte Volkskultur außerhalb des Burgfriedens nämlich nach den jeweiligen Landgerichten orientiert. Tracht, Brauchtum, Mundart, Volksmusik und Volkstanz waren eben „Dachauerisch“. Damit ging durch das heutige München eine unsichtbare Grenze, mal in Ost/West-Richtung (der Süden war oberlandlerisch, der Norden unterlandlerisch beeinflusst), mal in Nord/Süd-Richtung (mit schwäbischen Einflüssen im Westen und niederbayerisch im Osten). An den Bauernhäusern lässt sich diese Grenze noch heute sichtbar ablesen: Der Bauernhof im Norden und Westen, wie man beispielsweise heute noch in Feldmoching sehen kann, war der typische westbairische Dreiseithof in der Variante des Ampergebiets; der Bauernhof im Süden war alpenländisch, wie man in Forstenried an einem letztverbliebenen Beispiel, einem südbairisch/nordtirolischen Einfirsthof, feststellen kann. In der Mundart sind die einst keineswegs unbedeutenden Unterschiede längst verloren gegangen.