FeldmochingMünchens größtes Dorf

 

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1808 wurde der Steuerdistrikt und 1818 schließlich die Gemeinde Feldmoching gebildet.

1811 endete auch die Hofmark Feldmoching-Schleißheim.

Das seit dem 30-jährigen Krieg verarmte Dorf Feldmoching hatte sich im 18. Jahrhundert nicht erholen können. Von besonderer Bedeutung für die Zukunft Feldmochings waren daher die Moosentwässerung und die Neuverteilung der Gemeindegründe Ende des 19. Jahrhunderts. Damit veränderte sich die Landwirtschaft grundlegend. Der erweiterte Anbau brachte steigende Ernteüberschüsse, die mühelos zu gutem Preis in der sprunghaft wachsenden Stadt abgesetzt werden konnten. Vor allem florierte die sog. Abmelkwirtschaft durch die direkten Milchlieferungen nach München.

Durch den bescheidenen Wohlstand konnten es sich die Feldmochinger Ende des 19. Jahrhunderts endlich leisten, die zum Teil noch aus der Zeit vor dem 30-jährigen Krieg stammenden, nicht unterkellerten Holzhäuser mit Ried- oder Stroheindeckung durch Steinbauten mit Ziegeldächern zu ersetzen.

Nach den kommunalpolitisch turbulenten 20er und 30er Jahren, in denen die Nazis nach 1933 eine derartige Misswirtschaft trieben, dass die Gemeinde Feldmoching 1935 fünf Monate lang unter die Kuratel eines Staatskommissars gestellt war, erfolgt

1938 die Eingemeindung nach München.

Der Lage nach wäre es denkbar, dass heute noch eine Gemeinde Feldmoching bestehen könnte. Denn auch Unterföhring (dem Stadtzentrum sogar anderthalb Kilometer näher als Feldmoching), Neuried, Grünwald, ja sogar Pullach und andere konnten sich im „Dritten Reich“ dem Zugriff der Stadt entziehen. Aber viele Gemeinden im Dunstkreis der Landeshauptstadt sind auch so sehr eng mit ihr verbunden oder in hohen Maß von ihr abhängig. Das führt doch zu der Feststellung, dass der Gemeinderat einer so eng mit der Stadt verbundenen Gemeinde auch nicht mehr viel selbst entscheiden kann, als ein Münchner Bezirksausschuss. Von der zum Teil hässlicheren Bauentwicklung in den Randgemeinden einmal ganz zu schweigen. Manche von ihnen wurden im alten Dorfkern mittlerweile abenteuerlich verunstaltet und sind mit öden Additionen von architektonisch belanglosen Einfamilien- und Reihenhäusern auf ein Vielfaches ihrer einstigen Größe angeschwollen.

Aber das Problem ist auch nicht die „äußere“ Selbständigkeit, sondere die „innere“. Diese innere Selbständigkeit hat nämlich in den Münchner Randgebieten, also auch in Feldmoching“ schon in der Prinzregentenzeit abgenommen. Damals griffen die Folgen der einsetzenden Industrialisierung und des unaufhaltsamen Wachstums Münchens nachhaltig in die Entwicklung der Dörfer der Umgebung ein. Münchens Einwohnerzahl stieg von 90.000 im Jahr 1850 auf eine halbe Million 1900. Die neuen industriellen Arbeitsplätze in den dahin ländlichen Gemeinden um München veränderten die Sozialstruktur grundlegend. Der Anteil in der Landwirtschaft tätigen Bevölkerung ging zurück, der Zuzug in die Randgemeinden verstärkte sich, gleichzeitig wurden städtische Lebensformen importiert.

Feldmochings Einwohnerzahl sprang von 900 im Jahr 1890 auf 2.500 1914. Hier aber trat man den Stadteinflüssen noch mit äußerster Skepsis, wenn nicht gar mit unverhohlener Ablehnung gegenüber. Man drängte den nach 1900 einsetzenden Zuzug an die Peripherie ab: Die neuen Kolonien Fasanerie, Lerchenau und Harthof mit ihrer Arbeitnehmerbevölkerung entstanden am südlichen Rand des Gemeindegebiets. 1937 war man nur gar zu eilfertig bereit, gerade sie als erstes an München abzuschieben, wenn nur das Altdorf Feldmoching als selbständige Gemeinde erhalten bliebe.

Eingemeindungen von Vororten sind immer problematische Angelegenheiten und zwar für beide Teile. Ein Vorgang, den wir schlicht, aber undeutlich Entwicklung nennen, zwingt meist dazu. Wenn die Leute mehr und mehr der wirtschaftlichen und kulturellen Anziehungskraft der nahen Stadt erliegen, ist meist die Stunde der „Verschmelzung“ gekommen. Jedenfalls war diese Entwicklung aus heutiger Sicht wohl nicht zu verhindern, zumal es um die Gemeindefinanzen in den 30er Jahren schlecht stand. Auch hatte Feldmoching 1932 die prozentual höchste Arbeitslosenzahl in ganz Bayern!

Es gereicht den Feldmochingern jedoch zur Ehre, dass sie sich ganz so leicht auch wieder nicht der Stadt hingegeben haben. Vor allem haben nicht alle Gemeinden, die von München geschluckt wurden, einen Eingemeindungsvertrag ausgehandelt. Die Feldmochinger aber haben sich die Zusagen der Stadt quasi mit Brief und Siegel geben lassen.

Einige Versprechungen der „Hauptstadt der Bewegung“ wurden anfangs prompt erfüllt. Dann aber brach im September 1939 der II. Weltkrieg aus und ab 1942 verlor die Stadt den Eingemeindungsvertrag aus den Augen. Dabei blieb es verständlicherweise noch in den Nachkriegsjahren, unverständlicherweise aber ebenso noch in den 50er Jahren, ja selbst in den 60er Jahren scheint es sich in manchen Amtsstuben noch nicht herumgesprochen zu haben, dass Feldmoching längst zur Stadt gehört. Der 33. Stadtbezirk (seit 1991 der 24.) zählte noch zwei Jahrzehnte nach der Eingemeindung zu den von der Stadt am gründlichsten vernachlässigten Gebieten. Als besonders feiernswürdiges Ereignis wird die Eingemeindung daher heute noch in Feldmoching nicht gesehen. Entsprechende Jubiläen wurden deshalb bisher stets kritisch begangen, weshalb auch dieses einschneidende Ereignis der Feldmochinger Geschichte für die eingangs erwähnten Aktivitäten wieder nicht infrage kommt.

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